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MS Geographie: Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

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Aus FORUM der Geoökologie 23 (3), 2012
Von Ingrid Hemmer und Péter Bagoly-Simó, Eichstätt

Master für die Bildung

An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde am 1.12.2010 das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung für die Bereiche Forschung, Lehre und Campusmanagement beschlossen. Der MA-Studiengang "Geographie: Bildung für nachhaltige Entwicklung" ist im Bereich der Lehre ein wichtiger Pflasterstein oder gar Meilenstein auf dem Weg hin zu einer nachhaltigeren Universität. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) spielt eine Schlüsselrolle bei der Implementierung des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung in unserer Gesellschaft (vgl. dazu auch Löwenfeld & Sturm-Hentschel, Forum 2/12). Obwohl es eine Reihe von Studiengängen gibt, die sich mit Aspekten der Nachhaltigkeit beschäftigen, existieren mit Ausnahme des berufsbegleitenden kostenpflichtigen Masterstudiengangs Umwelt und Bildung an der Universität Rostock keine auf den Bildungsbereich ausgerichteten Bachelor- oder Masterstudiengänge.

Diese Lücke will der interdisziplinäre Studiengang MA "Geographie: Bildung für nachhaltige Entwicklung" schließen. Er ist zwar im Laufe der Entwicklung der neuen Fachmaster- und Lehramtsstudiengänge im Fach Geographie im Wintersemester 2010/11 entstanden, richtet sich jedoch bewusst nicht nur an Geographen, sondern an alle Zielgruppen, die einen Hochschulabschluss in einem Studiengang mit Bezug zur Nachhaltigkeit absolviert haben, wie z.B. Geographie, Geoökologie, Biologie, Erziehungswissenschaften, Kulturwissenschaften und Lehramt. Das Fach Geographie hat eine besondere Affinität zur nachhaltigen Entwicklung und kann inhaltliche und methodische Kernkompetenzen für alle drei Pole des sogenannten Nachhaltigkeitsdreiecks, also Umwelt, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Situation, auf verschiedenen Maßstabsebenen, von der lokalen bis zur globalen, liefern. Bedeutsame Elemente des Konzepts der BNE sind die ethischen Aspekte. Darum wird im Studiengang die theologisch-ethische Perspektive ganz explizit mit einem eigenen Modul aufgegriffen. Daneben und damit korrespondierend werden in einem weiteren Modul wirtschafts- bzw. unternehmensethische Aspekte erörtert. Ein besonderes Gewicht in diesem "Bildungsmaster" haben die fachdidaktischen und pädagogischen Module. Das Masterangebot wird interdisziplinär durch Module aus Soziologie, Biologie und Psychologie angereichert. Durch diese Ausrichtung unterscheidet sich dieser Master von den eher naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Studiengängen, die bisher im Forum der Geoökologie vorgestellt wurden.

Eine Verknüpfung zwischen Lehre, Forschung und Campus-Management wird angestrebt. So sind einige Masterstudierende derzeit in die Vorbereitung einer wissenschaftlichen Nachhaltigkeits-Tagung eingebunden, andere haben den Prozess der Umstellung des Campus auf Ökostrom begleitet. Besonderer Wert wird auch auf die so genannte transdisziplinäre Zusammenarbeit mit externen Partnern aus der näheren und weiteren Umgebung gelegt, die vor allem im Rahmen der Exkursionen sowie des Praktikums erfolgt. Darüber hinaus sind Lehrbeauftragte aus dem NGO-Bereich eingebunden. Der Masterstudiengang wurde für den Zeitraum 2010/2012 als Projekt der UN-Dekade BNE zertifiziert.

Aufbau des Studiengangs

Die verpflichtenden Basismodule sind aus der Abbildung ersichtlich. Im Modul "BNE-Grundlagen Bildung für nachhaltige Entwicklung" eignen sich die Studierenden grundlegende Kenntnisse über Begriffe, Genese, Theorien, Forschungsansätze, -methoden und -ergebnisse des Bereichs BNE an und lernen Kriterien sowie Methoden für die eigene Konzeption von BNE-orientierten Bildungsprozessen kennen. Ein Teilmodul richtet sich dabei stärker auf den Bereich der schulischen Umsetzung, ein zweites stärker auf den außerschulischen Bereich. Zwei Exkursionstage in außerschulische Bildungseinrichtungen, wie z.B. das Wildniscamp im Nationalpark Bayerischer Wald (vgl. Foto unten), runden dieses fachdidaktisch-pädagogisch ausgerichtete Modul, das gemeinsam mit einer Lehrbeauftragten aus der außerschulischen Bildungsarbeit durchgeführt wird, ab. Ein weiteres Pflichtmodul, "Entwicklungsprobleme und Globales Lernen", fördert akzentuiert die Kompetenzen der Studierenden in diesem wichtigen Teilbereich der BNE, der stark an dem Postulat der globalen Gerechtigkeit ausgerichtet ist. Auch dieses Modul, das Fachdidaktik und Fachwissenschaften gemeinsam durchführen, wird mit einer Exkursion abgeschlossen, die die Kenntnisse vertieft. Bisherige Exkursionsziele waren z.B. die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Bank für Kreditwirtschaft in Frankfurt.

Die beiden weiteren Pflichtmodule des ersten Semesters, "Räumliche und regionale Entwicklung" sowie "Geomorphologische und hydrologische Umweltprozesse und Naturgefahren", liefern wichtige inhaltliche Fundamente.

Im zweiten Semester erfolgt im Rahmen des Moduls "Theologisch-ethische Aspekte einer BNE" eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Thematik, die als Blockseminar im Kloster Plankstetten stattfindet.

Zum Pflichtprogramm gehört eine große Exkursion von mindestens acht Tagen, die explizit auf Nachhaltigkeitsgesichtspunkte ausgerichtet ist. So besuchen die Studierenden z.B. Einrichtungen (Schulen, Hochschulen, außerschulische Bildungseinrichtungen, Kommunen etc.), die sich dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung bzw. der BNE verpflichtet fühlen, und überprüfen Strukturen und Prozesse, die im Exkursionsraum stattfinden, auf ihre Nachhaltigkeit bzw. Nichtnachhaltigkeit. Exkursionsziele waren bedingt durch bestehende internationale Kontakte und eine Gastdozentur 2011 Rumänien und 2012 die Schweiz.

Neben zwei Wahlpflichtmodulen, die aus einem Modulpool aus den Bereichen Geographie, Biologie, Wirtschaftsethik, Soziologie und Psychologie gewählt werden können, ist im zweiten bzw. dritten Semester ein achtwöchiges Praktikum mit Projektcharakter zu absolvieren. Die Studierenden suchen sich ihren Praktikumsplatz häufig schon mit Blick auf die Masterarbeit und ein späteres potentielles Berufsfeld aus. Anregungen dazu liefern die Exkursionen; aber auch die gute Vernetzung mit den BNE-Einrichtungen in der Region bietet viele Möglichkeiten, die erworbenen Kompetenzen vor Ort anzuwenden. Das dritte Semester bietet als Pflichtmodul einen Blick in einen der wichtigsten Wirtschaftsbereiche, den Tourismus, und bietet ansonsten im Rahmen von drei Wahlpflichtmodulen und einem Wahlmodul viel Freiheit, selbst gewählte Schwerpunkte zu vertiefen. Das vierte Semester ist schließlich ganz der Masterarbeit gewidmet. Derzeit laufen Überlegungen, wie man, um die Attraktivität des Masters noch weiter zu erhöhen, Veranstaltungen der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit in den Master einbinden könnte.

Studienziele

Die Ziele des Studiengangs liegen im Aufbau von Kompetenzen im Bereich nachhaltige Entwicklung - bzw. in deren Vertiefung und Erweiterung - und der Förderung von Gestaltungskompetenz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Zusätzlich gefördert werden Fähigkeiten, die für eine Multiplikatorentätigkeit im Bereich BNE notwendig sind. Darüber hinaus erwerben die Studierenden Kompetenzen, Bildungsprozesse zu konzipieren und durchzuführen, die in alle Bereiche, die Bildung für nachhaltige Entwicklung implementieren, zu transferieren sind.

Beschäftigungsaussichten

Der Masterstudiengang befähigt die Absolventen, an Institutionen als Multiplikatoren für Bildung für nachhaltige Entwicklung tätig zu werden. Wichtige Einsatzfelder liegen in den verschiedenen außerschulischen Bildungsbereichen, z.B. Umweltzentren, Geoparks, Museen, GIZ, ggf. aber auch Kommunen und Unternehmen. Der Masterstudiengang bereichert das Profil und die Kompetenz zukünftiger Lehrkräfte. Schulbuchverlage und außerschulische Organisationen benötigen Fachkräfte für die Erstellung geeigneter Lehrmaterialien. Forschungsorientierte Absolventen und Absolventinnen erwerben die Voraussetzung zur Promotion in Bereichen wie z.B. der Geographiedidaktik.

Bewerbung und Zulassungsverfahren

Die Studienaufnahme zum viersemestrigen Master findet jeweils im Wintersemester statt. Ein Teilzeitstudium ist möglich. Voraussetzung zur Bewerbung ist ein Hochschulabschluss in BNE-affinen Fächern mit einer Note von mindestens 2,9. Für die Bewerbung müssen 135 ECTS nachgewiesen werden. Der erfolgreiche Studienabschluss kann im Laufe des ersten Semesters nachgeliefert werden. Die Bewerbung ist im Regelfall bis zum 15. August einzureichen. Im Netz stehen ein Bewerbungsformular und eine Liste der einzureichenden Unterlagen, darunter ein Motivationsschreiben, zur Verfügung.

Weitere Informationen:

www.ku.de/mgf/geographie/didaktik/masterbne
Fragen zum Studienablauf beantwortet gerne die Leiterin der Studiengangs Prof. Dr. Ingrid Hemmer 08421/931394, ingrid.hemmer at ku.de

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Letzte Änderung: 25.11.2013